Sonntag, 14. März 2010

Hoffnung

Leute, man soll die Hoffnung nie aufgeben.
Warum ich das sage? Papas Schwester, meine Tante Annegret, liegt im Krankenhaus in Wangen. Und es sieht nicht gerade rosig aus. Deshalb fährt Papa morgen nach Wangen, um sie zu besuchen. Am liebsten würde ich ja mitfahren, aber ich werde anderweitig benötigt, nämlich im Stift bei Johannes, Kerstin, Sandra, Marnie, Uli, Simon usw.
Also Leute, wenn man so auf der Intensivstation liegt und an diese Geräte angeschlossen ist und nichts selber machen kann, dann denkt man irgendwann: "Oh Gott, bitte nicht ich." Ich hab das jedenfalls gedacht, als ich nach meiner Rücken-OP auf der Intensivstation war. Und ich stelle mir vor, daß Annegret jetzt so ähnliche Gedanken hat, und dann wünsche ich mir, daß sie Papas Gegenwart spürt und daß es ihr dann besser geht.
Ich hab damals Mamas und Annas Gegenwart gespürt; das hilft einem schon, wenn man weiß, Mama oder Papa oder Anna sind da und halten Hand, oder kühlen einem die Stirn, oder sie lesen einem was Aufbauendes vor.
Ich glaube, es hilft Annegret auch ein bißchen, wenn man an sie denkt und ihr gute Gedanken schickt.
Also, Leute, gebt nicht auf, und wenn es mal Probleme gibt, dann denkt an meine Worte, daß man die Hoffnung nicht aufgeben soll!

Sonntag, 31. Januar 2010

Good bye, Martin

Also, Leute, ich muß mir was von der Seele schreiben. In drei Wochen hat das "Ach-Jenny" ein Ende. Zur Erklärung: Jenny ist die tolle Freundin von dem Zivi Martin, und wir spielen immer "Martin und Jenny", wobei ich oft die Rolle von beiden übernehme, und deswegen "haaach Jenny" hauche.
Und Martins Zeit als Zivi bei uns in der Wohngruppe geht in drei Wochen zu Ende! Und deswegen steht es um meine Stimmung zur Zeit nicht gerade rosig. Ich weiß, daß er nur Mitarbeiter auf Zeit war, aber für mich ist das nochmal was anderes. Du kommst in die Wohngruppe, und ein strahlender Martin empfängt dich und fragt: "Wie war's in der Uni?" (Jenny studiert Elektrotechnik in Senftenberg).
Wie gesagt - wir spielen das oft, vor allem montags, da holt er mich immer um zwölf Uhr von "Spagart" ab (Spagart ist eine Tagestruktur auf dem Gelände; um das zu auszuführen: wir machen da immer verschiedene Sachen, zum Beispiel Drehbücher ausdenken, oder einen Film drehen, oder Seidenmalerei, oder dienstags kochen wir usw.).
Ich kann mir das noch nicht so vorstellen, daß er in drei Wochen seinen Zivildienst beendet. Für mich geht oder besser, für uns alle in der WG, verschwindet dann ein ganz wichtiger Anziehungspunkt. Das klingt jetzt so, als ob der Martin der einzige Anziehungspunkt wäre. So meine ich das ja nicht! Es sind schon noch viele andere "Sonnen" da, ich sag nur, Frauke, Uli, Mani, Gerhard, Anja...
Nichtsdestotrotz, es ist schon irgendwie doof, wenn du weißt, in drei Wochen geht mein "Schatz" und unser Senftenberg-Spiel ist erstmal vorbei.
Ich hoffe sehr, daß ich einen neuen Zivi begeistern kann mit meinen Dialogkünsten!

Samstag, 26. Dezember 2009

Hoffen und Bangen

Neulich hat Mama mir erzählt, daß es Walter nicht gerade rosig geht. Um das mal zu erklären: Walter ist der Vater von Christiane, und Christiane ist die Exfreundin von Dietrich, und wir kennen sie schon ganz lange und sind alle mit ihr befreundet.
Also, Mama hat gesagt, er muß nochmal unter das Messer. Ich habe fast die ganze Nacht wachgelegen und gedacht: "Walter, du mußt bleiben, du kannst nicht so kampflos aufgeben. Die Kinder und Irene brauchen dich!" Ich habe mir in Gedanken schon einen Zug rausgesucht, und Papa wäre sogar mitgekommen. Ich habe gedacht, ich muß in Walters Nähe sein, falls die Krise schlimmer wird, und alle beruhigen.
Und ein paar Tage später hat Mama mir erzählt, daß Walter über den Berg ist. Ach, mir ist ein Stein vom Herzen gefallen!
Aber das war schon ein Schock, zu hören: "Walter geht es nicht gut."
Ich wäre immer noch am liebsten bei Walter und Irene, um sie aufzubauen.
Aber Berlin liegt ja nicht gerade um die Ecke von Regensburg...

Sonntag, 22. November 2009

Meine ersten Wochen im Johannesstift

Also Leute, ich wurde mit offenen Armen im Bibelkreis aufgenommen. Wir machen im Bibelkreis immer Textstellen aus verschiedenen Evangelien, und dann will der Pfarrer wissen, was der Text heute bei uns zu bedeuten hat. Und dann diskutieren wir; das geht einige Zeit, und dann wird nochmal in die Bibel reingeguckt, und dann singen wir noch. Bei den Johannitern im Sommerlager habe ich so etwas Ähnliches gemacht, aber nicht so intensiv, und das finde ich ziemlich cool.

In der Wohngruppe haben wir schon angefangen, Weihnachtsvorbereitungen zu treffen; wir haben schon Plätzchen gebacken, Lieder geübt für die Angehörigen-Weihnachtsfeier, und wir haben gemütlich zusammengesessen.

Außerdem gibt es eine Hobbygruppe, wo wir Theaterstücke erarbeiten. Also, das sieht folgendermaßen aus: Wir kriegen irgendeinen Text, und da müssen wir uns überlegen, welche Rollen da von uns gespielt werden können, oder wir lesen etwas mit verteilten Rollen. Weil ich ja nicht lesen kann, krieg ich den Text dann vorgelesen und speicher ihn in meinem Kopf. Wir schreiben auch manchmal selber Stücke, wo meine Dialoge sehr gut untergebracht werden.

Nicht daß ihr meint, das wär alles! Es gibt soo tolle Mitarbeiter, die meine Dialoge umsetzen in Rollenspiele, und meine Therapeuten gehen voll auf meine Kontrakturen ein und lockern und entspannen mich.

Und meine Mitbewohner entspannen mich auch, die sind nämlich kontaktfreudig und selbst ziemlich entspannt. Und unser Findus - das ist unser Wohngruppenkater - ist ziemlich wohlgenährt und schmust gern. Ich finde das ganz toll, weil wir ja zu Hause auch einen Kater haben. Wenn Simon auftaucht, da brauchst du nicht zu fragen, wo Findus ist: Du brauchst nur auf Simons Schoß zu gucken, wo ein schwarzes Etwas schnurrend und die Augen wohlig zusammengekniffen lang ausgestreckt liegt. Und gekrault wird!

Also, Leute, wenn ihr mal zufällig in Spandau irgendwelche Sachen zu erledigen habt, dann seid ihr herzlich willkommen bei der WG 4 und Findus!

Samstag, 10. Oktober 2009

Es ist viel passiert

Leute! Es ist so einiges passiert! Wir haben meinen Umzug gewuppt! Ich war schon ein bißchen nervös; ich dachte: "Hoffentlich sind da nette Betreuer und nette Mitbewohner. Das ist für mich absolutes Neuland!"
Aber dann kam ich an, und ein Betreuer namens Simon hat sofort meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Um das genauer zu definieren: ich war - und bin immer noch - hin und weg von Simon! Aber das ist nicht das Einzige, es gibt noch mehr Highlights. Zum Beispiel Bibelkreis, und Chor, und jeden Sonntag Gottesdienst, und Konzerte, und eine Theatergruppe, wo wir selbst Stücke schreiben.
Und meine Mitbewohner sind total lieb und lustig und keine Kinder von Traurigkeit. Am besten verstehe ich mich mit Johannes, der hat dieselben Interessen wie ich - Konzerte, Gottesdienst, Filme; und er blüht richtig auf, wenn ich in seiner Nähe bin...
Ich will gar nicht mehr so oft die elterliche Wohnung beehren! Ein Beispiel: die Mama fragte mich gestern, ob ich erst am Sonntag zurückkommen wollte (ich bin nämlich gerade mal wieder in die elterlichen Gefilde in Schöneberg eingefallen), aber ich sagte: "Nein, vergiß es! Ich will am Samstagabend zurück, weil da unser allseits beliebter Simon Dienst hat!" Wobei er mit Erol ein Konzert besucht, aber am Sonntag ist er ja auch noch da, und da kann ich meine Arie "Ach, Siiiiimooon" aus meinem Mund erklingen lassen!
Aber wenn er am Montag zur Uni muß, dann tönt das ganze Johannesstift wieder von meinem abgewandelten Seufzer: "Ach, Maaaartiiin!" Martin ist unser toller Zivi, der ist fast so gut wie Siiimoon....
Also, Leute, wenn ihr mal nicht wißt, was ihr machen sollt, dann lest meinen Blog und kommt mich besuchen!

Sonntag, 5. Juli 2009

Es wird ernst

In zehn Tagen fahren wir hoch nach Berlin! Da wuppen wir meinen Umzug!
Ab morgen, Montag, ist die Woche gespickt mit tränenreichen Abschiedsfeiern. Am Mittwoch ist der Abschied von der Förderstätte, und am Freitag gehe ich mit meinem besten Freund Edgar zum Abschied nochmal essen; wir wollen uns nochmal so richtig schön Zeit nehmen, Luftküsse und Adressen austauschen, reden, und einfach die Zeit miteinander genießen.
Am Samstag gehen wir zu unserer sehr guten Freundin Edith; wir haben mit ihr so viel unternommen - Konzerte, Teetrinken, Reden über die Kinder...
Sie hat mich ja früher lange mit Physiotherapie behandelt, und so haben wir uns überhaupt kennengelernt. Sie gehört sozusagen zu unserer Familie dazu.
Am Montag steigt dann die Wohngruppen-Abschiedsfeier. Wir machen einen Grill; Mama und Papa kommen, und die Tränenbäche werden garantiert fließen!
Danach wird gepackt, und am Mittwoch, dem 15. Juli, werden die Zelte für mich abgebrochen und neu wieder in Berlin aufgeschlagen.
Mama und Papa begleiten ihr "Töchterchen" bis zum Samstag, da geht's wieder zurück. Aber für mich heißt es erstmal: Betreuer kennenlernen, Therapeuten mit meinem Charme becircen, die Mitbewohner für mich einnehmen... Und wenn ich irgendwie Familie sehen will, dann ist es auch kein Problem: Es gibt einen Bus, den "Metro-Bus", der bringt mich überall hin in Berlin, also zu Anna, oder Charlotte, oder Dietrich, oder Christiane, die ist zwar nicht wirklich Familie, aber für mich so ähnlich wie eine Schwester.

So Leute, ich melde mich wieder, wenn wir alle in Berlin sind!

Sonntag, 10. Mai 2009

Hurra, ich habe einen Platz!

Leute, stellt euch vor: ich hab einen Platz im Johannesstift! Vor ein paar Tagen kam der Brief, in dem stand, daß sie "sich freuen, mir einen Platz ab dem 15.6." anbieten zu können!
Das hat mich natürlich umgehauen! Ich habe von nichts anderem mehr geredet, und ich muß dauernd daran denken. Ich finde es einfach cool, näher bei meinen Geschwistern zu sein und da mehr mitzukriegen! Zum Beispiel Filmpremieren, oder Geburtstage, oder einfach mal bummeln, shoppen, Kaffee trinken...
Und natürlich das Leben im Johannesstift, mit Chor, mit Gottesdiensten, Bibelkreis usw. - das wird bestimmt auch obercool!
Ein bißchen komisch ist es allerdings schon, die vertraute Umgebung zu verlassen, und vor allem die tollen Betreuer im MFZ! Aber die können mich ja besuchen...
Wenn ich an meinen Umzug denke, bin ich schon ein bißchen nervös - wie das alles wird, ob die Leute alle nett sind, wie meine Mitbewohner so ticken und so... Aber ich bin trotzdem optimistisch und SEHR neugierig!